Bilinguales Lernen

Alle Schülerinnen und Schüler werden am Woeste-Gymnasium auf englischsprachigen Sachfachunterricht vorbereitet – mit dem Fach „Economy“ in der Mittelstufe und bilingualen Kursen in Sozialwissenschaften in der Oberstufe.

Englisch ist die internationale Verkehrssprache in Studium und Beruf. Deshalb bereitet das Woeste-Gymnasium alle Schülerinnen und Schüler darauf vor, in der Oberstufe einen englisch-bilingualen Kurs im Fach Sozialwissenschaften zu wählen – nicht nur eine kleine Gruppe besonders sprachinteressierter Kinder.

Warum bilingual lernen?

Englischsprachiger Sachfachunterricht in der Oberstufe bringt große Vorteile mit sich:

  • Wer in der Oberstufe fachliche Sachverhalte auf Englisch erfasst, diskutiert und darstellt, ist besser auf Studium und Beruf vorbereitet und gewinnt „akademische Zuversicht“. Englisch hat sich mit der Globalisierung und den modernen Kommunikationsmöglichkeiten als internationale Verkehrssprache durchgesetzt; für immer mehr Berufe ist eine fließende Beherrschung unabdingbar.
  • Abiturientinnen und Abiturienten sind eher bereit, Studiengänge im Ausland oder mit hohen fremdsprachlichen Anteilen zu wählen.
  • Ehemalige Schülerinnen und Schüler sind im Rückblick deutlich zufriedener mit der Bildung, die ihnen ihre Schule vermittelt hat.
  • Die Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Oberstufe begünstigt die Wahl eines bilingualen Sachfachs: Ein solcher Kurs deckt zwei Belegverpflichtungen ab – ein gesellschaftswissenschaftliches Fach und eine fortgeführte Fremdsprache.

So ist der bilinguale Bildungsgang aufgebaut

Das hier beschriebene Baustein-Modell gilt für alle Jahrgänge, die seit dem Schuljahr 2016/17 die Sekundarstufe I besuchen.

  • Alle Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I nehmen verpflichtend am bilingualen Unterricht teil. Der bilinguale Sachfachunterricht findet ausschließlich im Fach Politik statt.
    • Der Kernlehrplan Politik wird bis zum Ende der Stufe 8 vollständig auf Deutsch erfüllt.
    • Die Stundentafel sieht zwei englischsprachige Ergänzungsstunden mit dem Leitthema „Economy“ vor (bisher in Stufe 9). Themen mit ökonomischem Schwerpunkt werden hier vertieft und aus einem ganzheitlich gesellschaftswissenschaftlichen Blickwinkel unterrichtet.
  • Der Englischunterricht der Sekundarstufe I bereitet gezielt auf den Economy-Unterricht und auf die Wahl eines bilingualen Grundkurses Sozialwissenschaften in der Oberstufe vor:
    • In den Stufen 5, 6 und 7 entsteht auf Grundlage des Lehrwerk-Wortschatzes ein sachfachliches Glossar.
    • In den Stufen 8 und 9 richtet sich die Stoffauswahl stärker an Sachfächern aus; geeignete Themen werden mit Blick auf den bilingualen Unterricht betont.
    • Eine Ergänzungsstunde in Stufe 5 gleicht unterschiedliche Voraussetzungen aus und festigt die sprachliche Basis.
  • Wer in der Stufe Q1 Sozialwissenschaften nicht fortführt, kann die dann verpflichtende Belegung in der Q2 mit einem englisch-bilingualen Zusatzkurs erfüllen.

Bilinguale Vorbereitung auf Studium und Beruf kann auch in anderen Fächern gelingen, etwa in Biologie, Erdkunde, Geschichte oder Mathematik. Politik und Sozialwissenschaften erscheinen aber wegen ihrer inhaltlichen Nähe zu beruflichen Anforderungen besonders geeignet.

Vorteile des Baustein-Modells

Früher gab es am Woeste-Gymnasium einen eigenen bilingualen Zug. Das Baustein-Modell hat gegenüber diesem Zug-Modell folgende Vorteile:

  • Schülerinnen und Schüler entscheiden sich „spät“, also am Ende der Sekundarstufe I, für eine bilinguale Laufbahn in der Oberstufe – auf Grundlage eigener Lernerfahrungen. Beim Zug-Modell mussten Eltern und Kinder schon vor dem Eintritt ins Gymnasium entscheiden, auf Grundlage von Vermutungen über Neigung, Belastbarkeit und Lernfähigkeit am Ende der Grundschulzeit.
  • Die Leistungsfähigkeit spielt bei der Zusammensetzung der Parallelklassen keine Rolle. Beim Zug-Modell führten die Aufnahmekriterien indirekt zu einer Leistungsdifferenzierung („streaming“).
  • Bilinguales Lernen beeinflusst die Klassengrößen nicht. Beim Zug-Modell konnte die bilinguale Klasse je nach Anwahl sehr viel größer oder kleiner sein als die übrigen Klassen.
  • Es gibt keine „einseitige Durchlässigkeit“: Den bilingualen Zug konnte man verlassen, aber nicht nachträglich einsteigen – das ließ die bilinguale Klasse im Lauf der Jahre oft kleiner werden.
  • Bilinguale Oberstufenkurse können aus der gesamten Stufe gebildet werden statt nur aus einer meist kleiner gewordenen Klasse.
  • Alle können die Vorteile bei der Fächerwahl in der Oberstufe nutzen: Ein bilingualer Kurs erfüllt zugleich die Belegverpflichtung für ein gesellschaftswissenschaftliches Fach und eine zweite Fremdsprache.
  • Die Förderung bilingualen Lernens ist ein Profilmerkmal der gesamten Schule.
  • Alle Schülerinnen und Schüler werden in ihrer fremdsprachlichen Entwicklung gleich gefördert. Beim Zug-Modell gab es unter Schülern und Eltern der Regelklassen nicht selten Argwohn, Neid und Enttäuschung über eine mögliche Bevorzugung des bilingualen Zweigs.

Ein Aspekt lässt sich nicht in dieses Schema einordnen: Mit dem Wechsel zum Baustein-Modell wird zugunsten einer höheren fremdsprachlichen Kompetenz vieler Absolventinnen und Absolventen (Niveau B2) die Exzellenz weniger (Niveau C1) aufgegeben.

CertiLingua

Seit 2017 ist das Woeste-Gymnasium vom Schulministerium als CertiLingua-Schule akkreditiert. Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Leistungen können das internationale CertiLingua-Exzellenzlabel für herausragende sprachliche, europäische und interkulturelle Kompetenzen erhalten. 2022 wurde das Label erstmals an eine Abiturientin des Woeste-Gymnasiums verliehen.

Geschichte des bilingualen Angebots

Vom bilingualen Zug zum Baustein-Modell (1998 bis 2016)

Zug-Modell (1998 bis 2008)

Seit dem Schuljahr 1998/99 bietet das Woeste-Gymnasium einen bilingualen Bildungsgang an. Über zehn Jahre lang gab es einen bilingualen Zug, der zu einem Abitur mit bilingualem Zertifikat führte. Die Lehrkräfte sammelten dabei viele Erfahrungen mit englischsprachigem Unterricht in Erdkunde, Geschichte und Politik.

Das Zug-Modell galt für alle Jahrgänge, die zwischen 1998/99 und 2008/09 an das Woeste-Gymnasium kamen. Die letzte bilinguale Klasse (2012/13: Klasse 9b) verließ die Sekundarstufe I am Ende des Schuljahres 2012/13; 2015/16 legten letztmals Schülerinnen und Schüler des Zug-Modells das Abitur mit verpflichtendem Leistungskurs Englisch ab.

  • Die Bili-Klassen erhielten grundsätzlich den Unterricht der Regelklassen, in gekoppelten Fächern (z. B. Religion, Sport) auch gemeinsam mit diesen.
  • In den Stufen 5 und 6 gab es sechs statt vier Wochenstunden Englisch als Vorbereitung auf den Sachfachunterricht.
  • Ab Stufe 7 wurden gesellschaftswissenschaftliche Fächer zunehmend auf Englisch unterrichtet: in Stufe 7 Erdkunde (3 statt 2 Wochenstunden), in Stufe 8 Geschichte (3 statt 2 Wochenstunden). In Klasse 9 hatten bilingualer Zug und Regelklassen Erdkunde, Geschichte und Politik mit je 2 Wochenstunden.
  • Der Unterrichtsstoff entsprach dem der Regelklassen, teils mit anderen Akzenten und etwas reduziert. So wurde etwa im Fach Geschichte der Nationalsozialismus auch aus britischer Sicht behandelt.
  • Die höhere Stundenzahl trug dem Ziel Rechnung, die Fachbegriffe auf Deutsch und Englisch zu vermitteln. Gesellschaftswissenschaftliche Fächer wurden gewählt, um die interkulturelle Kompetenz besonders nachhaltig zu fördern.
  • In der Oberstufe belegten die Schülerinnen und Schüler des bilingualen Zuges den Leistungskurs Englisch sowie in der EF Geschichte und Sozialwissenschaften als englischsprachige Grundkurse; eines der Fächer (vorzugsweise Geschichte) wurde bis zum Abitur fortgeführt. Die ersten Absolventinnen und Absolventen legten 2008 das Abitur ab.
  • Zwei verpflichtende Klassenfahrten nach Großbritannien (Stufen 7/8 und 9) mit Unterkunft in englischen Familien ergänzten den Unterricht; in der Oberstufe wurde eine Studienfahrt ins englischsprachige europäische Ausland angeboten.

Baustein-Modell I (2009 bis 2015)

Im Schuljahr 2008/09 wurde das Angebot auf Grundlage der gesammelten Erfahrungen grundlegend weiterentwickelt. Ab 2009/10 wurden keine bilingualen Klassen mehr eingerichtet; Eltern mussten sich bei der Anmeldung nicht mehr für oder gegen den bilingualen Zug entscheiden. Stattdessen wurde die gesamte Schülerschaft darauf vorbereitet, in der Oberstufe bilinguale Kurse in Geschichte und Sozialwissenschaften zu wählen.

  • Bilingualer Sachfachunterricht für alle in Politik und Geschichte.
  • Der Englischunterricht der Sekundarstufe I baute ein sachfachliches Glossar auf (Stufen 5 bis 7) und richtete die Stoffauswahl an Sachfächern aus (Stufen 8 und 9).
  • In den Halbjahren 8.2, 9.1 und 9.2 wurde der deutschsprachige Sachfachunterricht um je eine bilinguale Stunde ergänzt; jedes der beiden Fächer erhielt ein Halbjahr lang diese Ergänzungsstunde. Sie behandelte besonders geeignete Themen wie „Imperialism“ oder „Industrialization“, der deutschsprachige Lehrplan blieb bis auf zeitliche Verschiebungen unberührt.
  • Wenn es die Personalsituation erlaubte, wurde der Englischunterricht in den Stufen 5 und 8 um je eine Stunde verstärkt – in Stufe 5 zum Ausgleich unterschiedlicher Voraussetzungen, in Stufe 8, um den Sachfachaspekt ohne Abstriche am Fachlehrplan zu betonen.

Baustein-Modell II (ab 2016)

Ausgelöst durch die Empfehlungen des „Runden Tisches zu G8/G9“ wurde im Schuljahr 2014/15 der Einsatz der Ergänzungsstunden neu geordnet. Dabei wurde auch die veränderte Personalsituation berücksichtigt: Seit 2016/17 konzentriert sich der bilinguale Sachfachunterricht ausschließlich auf Politik/Sozialwissenschaften, im Fach Geschichte gibt es keinen bilingualen Unterricht mehr. Die bilinguale Vorbereitung erfolgt seitdem schwerpunktmäßig durch zwei verpflichtende Ergänzungsstunden „Economy“.