Die Klassen 5 und 6 bilden am Gymnasium eine pädagogische Einheit, die Erprobungsstufe. Der Name ist Programm: In diesen zwei Jahren wird erprobt, ob die Schulform, die Sie als Eltern beim Wechsel an die weiterführende Schule gewählt haben, die richtige für Ihr Kind ist.
- Kinder, die in die Klasse 5 eingeschult werden, erreichen das Abitur in der Regel nach neun Schuljahren (G9).
- Die zweite Fremdsprache beginnt in Klasse 7. Zur Wahl stehen Latein und Französisch.
Gesetzliche Grundlagen
Die Regelungen zur Erprobungsstufe stehen in der Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sekundarstufe I (APO-SI). Die wichtigsten Bestimmungen im Auszug:
§ 10 Gliederung und Dauer der Erprobungsstufe
(1) In der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium sind die Klassen 5 und 6 eine pädagogische Einheit (Erprobungsstufe). Die Schülerinnen und Schüler gehen ohne Versetzung von der Klasse 5 in die Klasse 6 über.
(3) In der Erprobungsstufe werden dreimal im Schuljahr Erprobungsstufenkonferenzen durchgeführt, in denen über die individuelle Entwicklung der Schülerin oder des Schülers, über etwaige Schwierigkeiten, deren Ursachen und mögliche Wege zu ihrer Überwindung und über besondere Fördermöglichkeiten beraten wird.
§ 12 Abschluss der Erprobungsstufe
(1) Vor Abschluss der Erprobungsstufe prüft die Erprobungsstufenkonferenz unter Berücksichtigung des Leistungsstandes, der bisherigen von der Schule durchgeführten Fördermaßnahmen und der zu erwartenden Entwicklung der Schülerin oder des Schülers, ob die gewählte Schulform weiterhin besucht oder die Schulform gewechselt werden soll. Soll ein Schulformwechsel empfohlen werden, ist dies den Eltern spätestens sechs Wochen vor Schuljahresende schriftlich mitzuteilen und gleichzeitig ein Beratungstermin anzubieten.
Ein Team für jede Klasse
In der Erprobungsstufe ist der Austausch im Kollegium besonders wichtig: Die Kinder sollen gut an der weiterführenden Schule starten, und kleine „Hürden“ sollen früh aus dem Weg geräumt werden.
Alle Lehrerinnen und Lehrer einer Klasse verstehen sich deshalb als Team. In Gesprächen und Teambesprechungen tauschen sie sich über das Lern- und Sozialverhalten einzelner Kinder oder der Klasse aus und sprechen pädagogische Maßnahmen ab. Besonders eng arbeiten Klassenleitung und Co-Klassenleitung zusammen.
Zusammenarbeit mit Ihnen als Eltern
Die Elternarbeit beginnt am Tag der offenen Tür und setzt sich in den Beratungsgesprächen während der Anmeldung fort. Viele Eltern nutzen schon vor der Entscheidung für eine Schulform eine Einzelberatung durch Fachlehrkräfte, Schulleitung oder Erprobungsstufenkoordination. Einen Termin vereinbaren Sie über das Sekretariat.
Auch während der beiden Jahre der Erprobungsstufe finden viele Gespräche statt – an den Elternsprechtagen, nach Vereinbarung oder auch telefonisch. Ein Schwerpunkt liegt auf Einzelberatungen zwischendurch, ganz gleich, ob sie von Ihnen oder von den Lehrkräften angeregt werden. Immer geht es um das Kind, seine Entwicklung, seine Probleme oder sein Verhalten.
Hilfen können neben Gesprächen auch Fördermaßnahmen sein oder Hinweise auf andere Beratungs- und Therapieangebote. Dazu gehören auch die Beratungslehrkräfte und die Schulsozialarbeit.
Erprobungsstufenkonferenzen und Entscheidung am Ende der Klasse 6
Zusammen mit den vielen Beratungen zwischendurch bilden die Erprobungsstufenkonferenzen die Grundlage für eine Lernberatung, die jedem Kind gerecht wird. Zur dritten Konferenz in Klasse 6 werden auch die Klassenlehrkräfte der abgebenden Grundschulen eingeladen, um die Entwicklung über einen längeren Zeitraum in den Blick zu nehmen.
Die Feststellung, ob ein Kind für das Gymnasium geeignet ist, kommt daher nicht plötzlich am Ende der Klasse 6. Sie ist ein Prozess, an dem Kinder, Eltern und Lehrkräfte gleichermaßen beteiligt sind. Die Klassenleitungen begleiten Sie und Ihr Kind dabei.
Zusammenarbeit mit den Grundschulen
Damit wir die Kinder dort „abholen“ können, wo sie herkommen, ist ein guter Draht zu den Hemeraner Grundschulen unerlässlich:
- Bleiben nach dem Lesen der Grundschulgutachten Fragen offen, können die Klassenleitungen der 5. Klassen Kontakt mit den früheren Klassenleitungen aufnehmen.
- Beim Hemeraner Lehrersprechtag, jedes Jahr nach dem ersten Quartal, findet ein intensiver pädagogischer Austausch statt.
- Gegenseitige Hospitationen sind möglich.
- In schulübergreifenden Fachkonferenzen (alle zwei bis drei Jahre) treffen die Schulen Absprachen, um die in der Grundschule erarbeiteten Basiskompetenzen in Deutsch, Englisch und Mathematik weiterzuführen.
- Die Grundschulen erhalten eine allgemeine Rückmeldung zu den Ergebnissen unserer Eingangstests in Deutsch, Englisch und Mathematik.
Lernen lernen
Wir möchten Schülerinnen und Schüler zu selbstständigen, selbstverantwortlichen und selbstkritischen Lernenden erziehen. Dafür gibt es in Klasse 5 die zusätzliche Ergänzungsstunde „Lernen lernen“. In den höheren Klassen sind die Module an den Fachunterricht gekoppelt.
| Klasse | Modul | Thema/Schwerpunkt |
|---|---|---|
| 5 | LL 1 | Lernorganisation |
| 5 | LL 2 | Lernen mit Karteikastensystem |
| 5 | LL 3 | Lernen mit allen Sinnen |
| 5 | LL 4 | Gliedern und Markieren |
| 5 | LL 5 | Methodenreflexion |
| 5 | LL 6 | Selbst- und Fremdwahrnehmung |
| 6 | LL 7 | Arbeit in der Gruppe („Teamarbeit“) |
| 6 | LL 8 | Lesetechniken |
| 6 | LL 9 | Lernmotivation und -reflexion |
| 6 | LL 10 | Lösen einer fachabhängigen Teamaufgabe (Anbindung an den Fachunterricht) |
Förderung
Ergänzungsstunden in Deutsch, Englisch und Mathematik
Die im Schulgesetz geforderte individuelle Förderung hat am Woeste einen hohen Stellenwert, auch nach der Rückkehr zu G9. Durch den Ganztag stehen in der Erprobungsstufe in den drei schriftlichen Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik zusätzliche Unterrichtsstunden für die individuelle Förderung zur Verfügung, die sogenannten Ergänzungsstunden.
In Klasse 5 kann außerdem im Rahmen des Ganztags Förderung in Deutsch (Rechtschreibung) und Mathematik gewählt werden.
Tutorien – Schüler helfen Schülern
Seit dem Schuljahr 2011/12 gibt es ab Klasse 6 das Projekt „Tutorien – Schüler helfen Schülern“. Oberstufenschülerinnen und -schüler, die von Fachlehrkräften angeleitet werden, unterrichten Gruppen von drei bis fünf Kindern in Mathematik oder Englisch – eng angebunden an den Fachunterricht und mit dem Ziel, ein „Sitzenbleiben“ zu verhindern.
Lernaufgabenbetreuung
Im Rahmen des Ganztags können die Kinder ihre Lernaufgaben unter Aufsicht von Lehrkräften erledigen. Die Betreuung ist keine Nachhilfe, bei Fragen zu einer Aufgabe können die Kinder die Lehrkräfte aber selbstverständlich um Rat fragen.
Ganztag am Woeste
Das Woeste-Gymnasium ist eine Schule im gebundenen Ganztag. In den Klassen 5 und 6 haben die Kinder in der Regel 30 Stunden Fachunterricht pro Woche. Hinzu kommen dreimal eine Stunde Mittagspause und drei Ganztagsstunden.
Die Ganztagsstunden sind verpflichtend, die Kurse werden aber individuell gewählt. Das Angebot reicht von AGs über Ensembleproben der Musikklassen und MINT-Unterricht bis zu verschiedenen Sportkursen. Angebot und Wahlverfahren stellen wir an einem Info-Abend zum Ganztag im Frühjahr vor.