Methodentraining

Von „Lernen lernen“ in Klasse 5 bis zur simulierten Abiturprüfung: Das Methodentraining baut fächerübergreifende Lern- und Arbeitsmethoden Schritt für Schritt auf.

In den Fächern erwerben Schülerinnen und Schüler vor allem fachbezogene Kompetenzen. Darüber hinaus brauchen sie Methoden, die in allen Fächern und beim selbstständigen Lernen helfen. Das Methodentraining des Woeste-Gymnasiums baut diese Methodenkompetenz von Klasse 5 bis zum Abitur stufenweise auf.

In der Sekundarstufe I werden pro Schuljahr drei bis vier Module an festgelegten Tagen durchgeführt, jeweils angebunden an ein bestimmtes Fach; in der Oberstufe findet das Methodentraining an Projekttagen statt. Die Fächer greifen die Methoden auf und tragen zur Weiterentwicklung des Curriculums bei. Ihre Materialien sammeln die Schülerinnen und Schüler in einem Methoden-Portfolio, das bis zum Abitur zu einem Nachschlagewerk anwächst. Der Erfolg hängt dabei auch von der eigenen Initiative ab.

Erprobungsstufe: „Lernen lernen“

Kinder bringen aus Familie und Grundschule schon viel Erfahrung mit, wie man das eigene Lernen organisiert. Das Projekt „Lernen lernen“ sichert diese Grundlagen, passt sie den Anforderungen des Gymnasiums an und erweitert sie. In Klasse 5 gibt es dafür eine eigene „Lernen-lernen“-Stunde bei der Klassenleitung; einige Module werden projektartig über mehrere Stunden oder im Fachunterricht durchgeführt.

KlasseModulFach
5Lernorganisation: Hausaufgabenheft, Heftführung, Arbeitsplatz, Arbeitsplan (mehrstündig)alle Fächer
5Lernen mit dem Karteikasten (z. B. Vokabeln mit dem 5-Fächer-Lernkarteikasten, Wissenskartei)Englisch
5Lernen mit allen Sinnen: Spickzettel, Mindmap, Quiz (Projekttag)alle Fächer
5Gliedern und Markieren (Lese- und Markierungstechniken)Biologie, Deutsch, Politik
5Methodenreflexion: gelernte Methoden sammeln, bewerten, dokumentieren; KartenabfrageLernen lernen
5Selbst- und Fremdwahrnehmung (Stärken-Schwächen-Profil)Lernen lernen
6Wie wird man ein Team? Kooperatives Lernen, Reflexion während der KlassenfahrtLernen lernen
6Lesetechniken, Teilnahme am VorlesewettbewerbDeutsch
6Lernmotivation und -reflexion (Wiederholung der Module aus Klasse 5 und 6)Lernen lernen
6Lösen einer fachbezogenen TeamaufgabeKunst
Modul „Das eigene Lernen organisieren“

Zum Auftakt geht es um Arbeitsplatzgestaltung, Heftführung, Hausaufgabenheft, Schultaschen-Check und Arbeitsplanung. Die Klassenleitungen vertiefen diese Inhalte, und alle Lehrkräfte der Klasse helfen, die vereinbarten Standards in ihrem Fach umzusetzen – zum Beispiel, indem sie genügend Zeit lassen, Hausaufgaben in Ruhe ins Hausaufgabenheft einzutragen.

Auch die Eltern sind gefragt: Nur sie können den Arbeitsplatz zu Hause im Blick behalten, eine sinnvolle Arbeitsplanung unterstützen, zum sorgfältigen Führen des Hausaufgabenhefts anhalten und darauf achten, dass die Schultasche passend für den nächsten Tag gepackt wird (siehe auch Aktion „Leichter Tornister“). Die Eltern werden in der ersten Klassenpflegschaftssitzung in Klasse 5 informiert.

Konsequent vereinbarte und eingehaltene Standards kosten am Anfang Mühe, zahlen sich aber aus: für die Kinder durch die Freude am selbstständigen Lernen, für Eltern und Lehrkräfte durch spürbare Entlastung.

Modul „Lernen mit allen Sinnen“

Dieses Modul findet in der Regel zu Beginn des zweiten Halbjahres der Klasse 5 als Projekttag statt. Nach einer kindgerechten Einführung in die Frage, wie unser Gehirn lernt, durchläuft jede Klasse drei Projektgruppen:

  1. Lernen auf vielen Kanälen: Die Kinder lernen einen unbekannten Gegenstand kennen – sie betrachten ein Foto, lesen, hören zu, sprechen und schreiben darüber, riechen, schmecken oder hantieren damit – und erfahren anschließend, wie wirksam die verschiedenen Lernwege sind.
  2. Lerntypentest: Ein altersgerechter Test zeigt, welchen Lernweg jemand bevorzugt. Im Gespräch wird deutlich, warum es sinnvoll ist, möglichst viele Lernwege zu nutzen.
  3. Mehrkanaliges Lernen in der Praxis: Anhand eines informationsreichen Textes lernen die Kinder in Workshops drei Methoden kennen: den Spickzettel, die Mindmap und das Lernquiz („Wer fragt, gewinnt!“).

Zum Abschluss stellen die Workshop-Gruppen ihre Ergebnisse der Klasse vor. Drei Lernposter im Klassenraum erinnern an die neuen Methoden. Danach greifen die Fachlehrkräfte die Methoden in ihrem Unterricht auf, und die Lerntipps wachsen im „Lernen-lernen“-Ordner.

Methoden zum Nachlesen: Spickzettel, Lernquiz, Mindmap, Kartenabfrage

Die Spickzettel-Methode

  • Den Text gründlich erarbeiten: lesen, Fragen klären, Sinnabschnitte mit Überschriften finden, Wesentliches markieren.
  • Die wichtigsten Inhalte so auf einem Blatt darstellen, dass Zusammenhänge sichtbar werden – als kleine Skizze, Liste oder Tabelle.
  • Ein bis zwei Abfragerunden zur Wiederholung – dann ist man gut vorbereitet.
  • Den Spickzettel zu Hause lassen: Als Mogelhilfe ist er natürlich nicht erlaubt. Ein guter Spickzettel ist einer, den man nicht mehr braucht.
  • Tipp: Das Blatt wie ein Foto im Gedächtnis „abspeichern“.

Wer fragt, gewinnt! – Lernen mit Fragen und Antworten

  • Den Lernstoff in kleine Einheiten zerlegen.
  • Zu jeder wichtigen Information eine Frage formulieren: eine offene Frage („Zu welcher Tageszeit gehen Kaninchen auf Nahrungssuche?“), einen Lückensatz („Die langen Haare eines Kaninchens nennt man …“) oder eine Auswahlfrage mit genau einer richtigen Antwort.
  • Auf Eindeutigkeit achten.
  • Frage auf die Vorderseite, Antwort auf die Rückseite einer Karteikarte schreiben – leserlich und in richtiger Rechtschreibung.
  • Die Karten mit einem Partner testen und verbessern – und dann allein oder mit Freunden zum Wiederholen nutzen.

Mindmap

Die Mindmap ist eine anschauliche Methode, um Inhalte zu strukturieren. Sie wird im Projekt „Lernen lernen“ eingeführt und in vielen Fächern genutzt.

Kartenabfrage

Die Kartenabfrage (auch „Metaplanmethode“) ist eine Art schriftliches Brainstorming: Zu einem Thema notieren alle Vorwissen oder Interessen in Stichworten auf Karten. Die Karten werden an Tafel oder Pinnwand geheftet und geordnet. So entsteht eine Übersicht, die der Klasse über längere Zeit zeigt, wo sie im Arbeitsprozess steht.

Methodenreflexion

Gegen Ende von Klasse 5 werden die gelernten Methoden gesammelt und bewertet – zum Beispiel auf einem Plakat.

Mittelstufe

Die Module der Mittelstufe sind jeweils verbindlich an ein Unterrichtsvorhaben in einem Fach angebunden.

KlasseModulInhalteFach
7Vortragen im Klassenraum – Was ist eine gute Präsentation?Erfahrungen sammeln, Kriterienkatalog entwickeln, freies Vortragen übenReligion / Praktische Philosophie
7Informationsbeschaffung und -verarbeitung IRecherche, Material sichten und auswählen, Ober- und Unterthemen festlegen, Textarbeit (selektives Lesen, Markieren, Exzerpieren, Schlüsselbegriffe)Deutsch
7Informationsverarbeitung II: Auswertung und PräsentationInformationen ordnen, Stichwortliste erstellen, Vortrag mit KarteikartenDeutsch
7Selbstsicherheitstraining – Umgang mit der Angst vor PräsentationenStimm- und Sprechübungen, Mimik, Gestik und Körpersprache, Vorträge halten und auswerten, konstruktives FeedbackErwachsen werden (Lions Quest)
8Klassenarbeiten vorbereiten (Lernblatt erstellen)Lerntipps, Zeitplanung, Motivation, PrüfungsangstFranzösisch
8Klassenarbeiten schreibenZeitmanagement, Aufgabentypen und Aufgabenstellungen verstehen, Schreibplan und ÜberarbeitungMathematik
8Klassenarbeiten nachbereitenFehleranalyse, Aufarbeitung und BerichtigungEnglisch
9Mitschriften anfertigenHeftführung und Notizen, Unterrichtsmitschriften, ProtokollDeutsch
9Methodenreflexiongemeinsame Auswertung des Methodentrainings durch Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte; Lerneinheiten nach Bedarf der Klassealle, nach Absprache

Oberstufe

StufeModulInhalte
EFSeminar „Eigenverantwortliches Arbeiten (EVA)“ in Nachrodt-Wiblingwerde – zwei Tage mit Übernachtung, zugleich Kennenlernfahrt der neuen EinführungsphaseRezeptions- und Gedächtnistechniken, Strukturieren und Exzerpieren, Visualisieren, Vortragstechniken, mediale Präsentation
EFRechtschreib- und Zeichensetzungstraining (selbstständig in vorgegebenen Zeiträumen)Wiederholung und Anwendung der Regeln zur Standardsicherung
Q1Facharbeitsworkshop (Projekttag)Literaturrecherche, Formatierung und äußere Form, Gliederung eines komplexen Themas, Literaturverzeichnis, Bewertungskriterien – siehe Facharbeit
Q2Simulation einer mündlichen AbiturprüfungEinschätzung der Anforderungen, Vorbereitung auf das Prüfungsniveau, angemessenes Prüfungsverhalten, transparente Bewertungskriterien