In der Einführungsphase fährt die gesamte Stufe gemeinsam zum Skifahren nach St. Peter im Ahrntal (Südtirol). Neben dem Sport stehen die Gemeinschaft der neuen Stufe und eigenverantwortliches soziales Lernen im Mittelpunkt.

Ziele
- die neue Jahrgangsstufe als Gemeinschaft erleben und die Mitschülerinnen und Mitschüler kennen- und schätzen lernen
- Lehrkräfte außerhalb des Unterrichts erleben
- sich selbst organisieren und Verantwortung für sich und andere übernehmen – etwa wenn Fortgeschrittene zeitweise Anfänger betreuen
- Rücksicht nehmen und sich in eine Gruppe einordnen
- die eigenen sportlichen Fähigkeiten erweitern: als Anfänger den Carving-Schwung sicher fahren, als Fortgeschrittene das Repertoire ausbauen
- Skifahren als Möglichkeit für die eigene Freizeit entdecken
- Natur erleben, Auswirkungen des Tourismus und die Struktur eines Skigebiets verstehen, die Geschichte der Region kennenlernen
Im Sportunterricht gehört die Skifahrt zum Inhaltsbereich „Gleiten, Fahren, Rollen“. Bewegungen auf Ski schulen besonders das Gleichgewicht und die Wahrnehmung. Skifahren wird oft als Wagnis empfunden, dessen Folgen für sich und andere verantwortungsvoll abzuschätzen sind.
Organisation
- Termin: Ende Februar/Anfang März – mit wenig Störung des Schulbetriebs, günstigen Preisen und relativ sicherem Schnee.
- Entscheidung: Eltern sowie Schülerinnen und Schüler werden im Vorjahr informiert; die Pflegschaften entscheiden über die Fahrt.
- Begleitung: Stufenleitung mit Skiteam, zusammengesetzt nach sportdidaktischer Qualifikation, Geschlecht und Unterrichtseinsatz, ggf. ergänzt durch Schüler-Skilehrerinnen und -lehrer oder externe Begleitpersonen.
- Dauer und Kosten: acht Tage einschließlich An- und Abreise mit dem Reisebus; zuletzt rund 450 Euro.
Zielort und Skigebiet
- St. Peter, Gemeinde Ahrntal (Valle Aurina), Südtirol, 1.260–1.430 m, rund 850 km von Hemer
- Skigebiet Klausberg, wenige Minuten mit dem Skibus entfernt: 1.050–2.510 m, schneesicherer Nordhang, Anfängerbereich mit Zauberteppichen und Sessellift, 14 km blaue, 12 km rote und 4 km schwarze Pisten, Talabfahrt
- Unterkunft in einer Pension mit Zwei- bis Sechsbettzimmern (mit Dusche/WC), Hausmannskost, Gemeinschaftsraum und Skikeller; der Skibus hält vor der Tür
Ablauf
Nach der Anreise werden die Skigruppen nach Können eingeteilt (Anfänger, Anfänger plus, Fortgeschrittene, Fortgeschrittene plus, Könner). An sechs Skitagen gibt es jeweils zwei Einheiten von etwa 10 bis 12 und 13 bis 15 Uhr; mittags isst die Stufe gemeinsam auf der Alm. Anfänger üben zunächst im Anfängerbereich, die anderen Gruppen fahren auf blauen, roten und später ggf. schwarzen Pisten. Das Skiteam bespricht jeden Abend den Tag und passt die Gruppen an.
Zum Rahmenprogramm gehören eine Talabfahrt, ein gemeinsamer Abend in der Pension, Spiele- und Filmabende, freiwillige Klausurvorbereitung sowie freie Zeit zur Erholung und zur Erkundung der Umgebung in Kleingruppen. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Aufgaben wie Tisch- und Flurdienst.
Vorbereitung
- Erdkunde in den Klassen 5 und 7: Freizeit und Erholungsräume, Tourismus in Europa
- Sportunterricht im Jahr vor der Fahrt: Skigymnastik, Ausdauer- und Krafttraining, Belastung in der Höhe, Umgang mit dem Skimaterial, Gesundheit
- Präsentationen zu Sicherheit und Umwelt im Skisport, Ausgabe und Anpassung des Skimaterials, Zimmereinteilung, Besprechung der Regeln
Regeln
Die Skifahrt ist eine Schulveranstaltung. Es gilt insbesondere:
- Auf der gesamten Fahrt einschließlich Busfahrt gilt ein Alkohol- und Rauchverbot. Über Ausnahmen zu besonderen Anlässen entscheidet das Fahrtenteam vor Ort. Drogen sind gesetzlich verboten.
- Den Anweisungen aller Mitglieder des Fahrtenteams ist Folge zu leisten; Schüler-Skilehrerinnen und -lehrer sind im Skiunterricht weisungsbefugt.
- Wer die Regeln missachtet oder sich oder andere gefährdet, kann von der Fahrt ausgeschlossen und nach Hause geschickt werden. Die Kosten tragen – auch bei Volljährigen – die Erziehungsberechtigten.
- Außerhalb der Pension nur in Gruppen von mindestens drei Personen und nach Rücksprache mit der Stufenleitung.
- Ab 22 Uhr sind alle in der Pension, ab 23 Uhr auf ihren Zimmern; die Nachtruhe ist einzuhalten. Musik nur in Zimmerlautstärke und mit Einverständnis aller.
- Jungen und Mädchen wohnen in getrennten Zimmern. Die Bewohnerinnen und Bewohner sind für ihr Zimmer verantwortlich und haben Hausrecht.
- Die Skigruppe darf nur mit Abmeldung beim Skilehrer verlassen werden. Wer krank ist, meldet sich morgens vor dem Frühstück persönlich ab.
- Beim Skifahren sind Helm, Handschuhe, Skibrille und passende Kleidung Pflicht.
- Gepäck: ein Gepäckstück bis 20 kg und ein kleiner Rucksack, zusätzlich die Skiausrüstung.
Skiunterricht: Didaktik und Lehrplan
Warum Carving-Ski?
Skifahren wird als Erlebnissport vermittelt. Carving-Ski erleichtern das Kurvenfahren deutlich; der Schwerpunkt verlagert sich von der Schwungauslösung zur Schwungsteuerung. Durch situative Aufgaben werden Wahrnehmungen angeregt, und von Anfang an können die Ski laufen. Carving erhöht auch die Sicherheit: natürliche Fahrposition, stabile Knie, schonend für die Wirbelsäule, kraftsparend und mit meist harmloseren Stürzen.
Ungeeignet ist die Carvingtechnik auf steilen, vereisten, buckligen oder stark befahrenen Pisten, weil Carver weite Kurven mit hohem Tempo fahren und die Geschwindigkeit kaum reduzieren.
Grundfunktionen: Kanten, Drehen, Belasten
- Kanten – gezielte Kraftübertragung auf den Schnee zum Bremsen und Beschleunigen, z. B. durch Kippen des Fußes, Bewegen des Knies, Kippen des Körpers oder seitliches Verschieben der Hüfte.
- Drehen – Neuausrichtung der Ski durch Bein- oder Ganzkörperdrehung; zusammen mit dem Aufkanten leitet es die Richtungsänderung ein.
- Belasten – Verlagerung des Gewichts nach vorn/hinten, oben/unten und zur Seite. Jede Verlagerung verändert Richtung oder Geschwindigkeit.
Anfängerschulung
- Talbereich: Gewöhnung an die Ausrüstung, Aufstehen, Rollern, Wenden, Gehen und Steigen, Seitrutschen, Gleiten und Schussfahren, Bremsen (Bogentreten, Pflug), richtiges Stürzen, Liftfahren, erste Richtungsänderungen. Stöcke werden zunächst nicht eingesetzt; bei Bedarf helfen kurze „Blades“.
- Hochplateau: Gelerntes auf längeren Abfahrten üben, Carvingtechnik erfahren, Unterschied zwischen geschnittener und gedrifteter Kurve erspüren, große und kleine Radien, rhythmisches Fahren – spielerisch mit Aufgaben wie „Die Post geht ab“.
- Anspruchsvollere Pisten und Talabfahrt: steilere Abschnitte, höhere Geschwindigkeit, eigene Spuren im Gelände, Fahrdemonstration der Gruppe.
Fortgeschrittene
Umstellung auf die Carvingtechnik bzw. Vertiefung: Steilhangtechnik, schnelle Kurvenfahrt mit Führung über den Außenski, sportliche Schwünge, Kurzschwingen, Formationsfahren, „elegantes“ Fahren, Variantenabfahrten, Übernahme betreuender Aufgaben und optional Videoanalyse.
Informationen und Literatur
- Tourismusverein Ahrntal
- Klausberg bei bergfex (Wetter, Pistenplan)
- Tauferer Ahrntal. Geschichte und Zukunft. Tappeiner, Lana 2007, ISBN 978-88-7073-420-1
- Deutscher Verband für das Skilehrwesen: Skilehrplan Basic (2001), Perfect (2002), Praxis (2008), BLV Verlagsgesellschaft
- Walter Kuchler: Skimanual 2000/2001, SPORTS 2000